Skateboard GEschichte Innsbruck

Der Versuch einer Chronologie der lokalen Entwicklung von Skateboarding

1979: tiroler skatboardclub

Das Innsbrucker Subkulturarchiv hat uns dieses Fundstück zugespielt. Bisher konnte noch nichts Näheres zum offentsichtlich allerersten Skateboardverein in Innsbruck, dem “Tiroler Skateboardclub” herausgefunden werden – außer, dass er im Umfeld des Innsbrucker Jugendzentrums MK gegründet worden sein muss und dass dieses Schriftstück mit 1979 datiert ist. Demenstprechend muss es schon damals Rollbrett-Begeisterte im Herz der Alpen gegeben haben.

 


1988: Quarter Ramp am Landhausplatz

Der Landhausplatz, direkt im Zentrum Innsbrucks gelegen und nur ein paarmal im Jahr für offizielle Aufmärsche genutzt, bot sich der neuen Jugendszene als idealer Treffpunkt an. Laut Zeitzeugen soll diese Quarter Ramp – im Video noch ohne Belagplatten – ca. 1988 oder 1989 errichtet worden sein.


1991: Contest am Rathausplatz

Bevor das Innsbrucker Rathaus zum Glaspalast mit Shops und Gastronomie umgebaut wurde, gab es dort einen großen Innenhof mit Parkplatz. Neben Autos standen des abends dort auch oft Gruppen von Jugendlichen herum, die ihren Genussmittelkonsum nicht auf Cafes und Bars beschränken wollten. Außerdem bot der Einfahrtsschranken dort auch die Messlatte für massiven Ollie-Pop (dokumentiert hat ihn nur Moritz Anzelini bezwungen). Und es gab zumindest einmal auch einen Contest dort. Leider haben wir kein Bild und schon gar kein Videomaterial, aber die Ergebnisliste dokumentiert zumindest die Größen der lokalen Szene zu dieser Zeit.


1994: Ein Rollen dringt durch die verbotene Straße

1994 gab es durch das Verbot am Landhausplatz Anfang der Neunziger schon ein paar Jahre keinen zentralen Spot in Innsbruck und ein Skatepark war noch außer Reichweite. Skateboarding spielte sich auf der Straße, auf Firmengeländen und in Industriegebieten ab. Was die Jugendlichen von damals im Beitrag der Tiroler Tageszeitung noch beklagten, wünschen sich heute viele in verklärter Romantik zurück – die gute alte Zeit, als Skaten noch „rough“ war, als man sein halbes Leben auf der Straße verbrachte, im Clinch mit Passanten und Anwohnern, auf der Flucht vor der Polizei und beim Biertrinken mit Obdachlosen und als man mit Skateboarden noch rebellieren konnte.


1994: Contest im Rapoldi "Skatepark"

Nach langem Spießrutenlauf der wenigen Aktiven im damaligen "Innsbrucker Skateboard Verein" stellte die Stadt Innsbruck der Skateszene einen Parkplatz zwischen Amraser Hallenbad und Rapoldipark zur Verfügung.  Eine schon länger unbenutzt zwischengelagerte Miniramp des Sporgeschäfts "Sport Spezial" wurde der Szene ebenfalls überlassen und in Eigenregie renoviert. Die restlichen Obstacles wurden von anderen Plätzen geschnorrt, selbst zusammengezimmert und von Baustellen "entliehen". Außeinandersetzungen mit Polizei (den als Spielplatz gewidmeten Platz durfte man offiziell nur bis 16 Jahre nutzen) und Jugendbanden standen auf der Tagesordnung. Aber auch das Ausleben jugendlichen Freiheitsdrangs war in dem recht versteckten Eck abseits von Passanten und Sicherheitsnormen wunderbar möglich.

 

Fahrer: Miniramp - Andi Falschlunger, Tom Lechle, Horst Philipp, Michael Zeilinger, Ulli Hoschek; Street - Gregor Manert, Hannes Frontul, Jürgen Büttner, Bernd (?), Michi Kunz, Alex Kapfinger aka. "der Brixlegger", Mike Khalil, Andreas "Falschi" Falschlunger, Moritz Anzelini, Ulli Hoschek

 


1996 (?): "Uprising"

Wann dieses Video genau entstanden ist, kann nicht mehr eruiert werden - eines ist klar: Die Fahrer, die dafür gegenseitig die VHS-Kamera ohne Fisheye aufeinander gerichtet haben, sind zurecht keine Videoproduzenten geworden. Ebenfalls klar macht das Video aber auch trotz wackeliger Optik, was für ein Untier am Skateboard Markus "Maggo" Mandl schon in jungen Jahren war.

 

Fahrer: Armin Nemati, Markus Mandl, Stefan Ebner


1996: ZIP6020 x 1996 x Skateboarding

Einige Protagonisten der kleinen, eingeschworenen Skateszene im Innsbruck der Mittneunziger. Legendäre Spots wie das Kongresshaus, die Polai-Stiegen oder der Verladebahnhof und selbstgebaute Obstacles im hart erstrittenen Rapoldipark gehörten damals ebenso zum Alltag wie dicke Hosen, Hip Hop und jede Menge Schabernack.

 

Fahrer: Stefan Ebner, Thomas Moser, Markus Mandl, Daniel Bader, Torben Krüger, Robert Liebl, Armin Nemati, Manuel Guggenberger, Matthias Türtscher, Michael Freinhofer


1998/1999: ZIP6020 x 5 min of funky skate

„Distinct personalities mingle to create“ – die ZIP6020 Crew bestand von jeher aus kreativen Köpfen. DJ-ing, Street Art, Mode und natürlich Skateboarding als alles verbindenden Aspekt. In diesen funky fünf Minuten werden die Street Spots anno 1998/99 ebenso bearbeitet wie der alljährlich im Sommer aufgestellte Skatepark im Eisstadion, die Rampen beim ersten Air + Style Skate beim Hafen und die damals einzigartige Ledge im Skatepark Lienz.

 

Fahrer: Markus Mandl, Moritz Anzelini, Benni Stadler, Thomas Moser, Nico Heigl, Robert Liebl, Torben Krüger (?), Armin Nemati, Daniel Wesenjak, Dominik Dietrich, Stefan Ebner


1999: Ein Märchen ohne Happy End

1999 wurde in Seefeld für rund 200 Millionen Schilling (14,5 Millionen Euro) das PlayCastle, ein Erlebnis-Schloss mit Hochseilgarten, diversen Spielmöglichkeiten sowie Halfpipe, Miniramp-Bowl und kleinen Street Obstacles aus dem Boden gestampft. Die Möglichkeit ohne Ski-Unterwäsche und im Trockenen auch im Winter zu skaten, wurde nicht nur von den jungen Aktiven gern genutzt. Auch die „Alte Garde“ der Innsbrucker Skate Szene erwachte förmlich aus ihrem Dornröschenschlaf und traf sich regelmäßig zur gediegenen Session in dem Plastikschloss.

 

Die erwarteten 300.000 Besucher jährlich bleiben allerdings aus, uns so ging das Projekt bereits 2001 in Konkurs. Als statt Inline-Kindern Go-Karts begannen, auf der „Streetfläche“ ihre Runden zu drehen, war es auch in den Rampen kein Spaß mehr zu skaten – Russ und Gummiabrieb quälten nicht nur die Lungenflügel, sondern setzten sich auch als hauchdünne Gleitschicht auf den Belägen ab. Irgendwann drehte man den Betrieb endgültig ab, mit guten Kontakten und ein wenig Bestechung konnte man aber nach wie vor noch zu privaten Sessions in das Schloss einsteigen, bevor 2012 endgültig umgebaut und mit dem Gewicht auf Events ein Neustart versucht wurde.

© Chianti at German Wikipedia


1999: Tirol-TV über Innsbrucks Jugendkultur

Der Regionalsender TirolTV widmete einen längeren Beiträg den damals "trendigen" Jugendgruppen. Der Teil zu Skatern startet bei 12:27, aber für alle, die damals in Innsbruck jung waren, ist die gesamte Sendung nostalgisch wertvoll!

 


1999: FIRST - Skatepark wattens

Skateboarding aus dem Skatepark Wattens, der aus den damals typischen blauen Rampen aus Metallgerüst und Plastikbelag bestand. Aufgrund des Schuhwerks wohl 1999 herum. 

 

Fahrer: Martin Vogel, Simon Bauer und Stefan Lindenberger (letzterer hat uns dankenswerterweise dieses Stück Skate-Geschichte zugeschanzt, ersterer ist nach wie vor mit seiner "Skateboardschule Wattens" aktiv und vermittelt Kids die Freude am Skateboarding).


2000: ZIP6020 x fam affair

Die Schauplätze des Geschehens, das sich irgendwann zwischen 1999 und 2000 abgespielt haben muss: Die legendären Ledges beim Landesgericht, die Scandic Ledges (heute Holiday Inn) und der mit blauen Plastikrampen ausgestattete Rapoldipark.

 

Fahrer: Benni Stadler, Markus Mandl, Mike Seidl, Thomas Moser, Vince Tschaikner, Moritz Anzelini


2000: Knights of playcastle

Fahrer:  Mäd Winkler, Tom "Noodle" Recheis, Maggo Auinger, Seppi Berlinger, Dominik Dietrich, Moritz Anzelini, Roman Hackl, Rupert "Rübe" Maleczek, Ulli Hoschek, Georg Wanek, Fidi Kirchmair, Clemens Waibl, Andy Macdonald, Dave Mölk


2001: The ZIP6020 Video

Irgendwann zur Jahrtausendwende sammelten ein paar Motivierte Videomaterial aus allen Ecken und Enden der Innsbrucker Szene zusammen und produzierten einen Edit, der sich sehen lassen konnte – und eigentlich immer noch kann!



2001: Avenue Skate weekend

In den späten 90ern bis in die frühen Zweitausender gab es das Avenue Skateboard Magazine. Damals war tatsächlich noch Geld mit Werbekunden in Printmagazinen zu machen und man konnte sogar Skatecontests in verschiedenen Städten unter dem Titel "Avenue Skate Weekend" veranstalten. Hier der Stopp 2001 beim Innsbrucker "Hafen" mit Legenden wie Daniel Wesenjak, Reini Rietsch, Roman Astleitner, Oliver Gordon, Maggo Auinger und Michi Nadler.


2002: Tyrolean Styles

Die Skateszene im Tiroler Unterland war bereits in den Neunzigern eine sehr aktive, mit Skateparks am Kufsteiner Eislaufplatz, dem Wörgler Skatepark oder auch dem Skatepark in Brixlegg. Mit dem Bau des Cradle Skatepark 2001 kam nochmals mehr Schwung in die Szene, welcher der Großteil des Footage dieses Filmprojektes gewidmet ist. Aber auch Fahrer aus dem Raum Innsbruck sowie Größen der nationalen und internationalen Szene dieser Zeit haben Gastauftritte.


2004: „DA STREET SKILLS OF INNSBROOKLYN“

Street Footage von legendären Spots wie „Gericht“ oder „Scandic“ (von Scandic Crown Hotel, das damals aber wohl auch schon nicht mehr so hieß) sowie den leider sehr kurzlebigen Ledges beim neuen Tivolistadion, bevor zugunsten der Europameisterschaft nochmals umgebaut wurde. Außerdem viel Material aus dem Haller Skatepark „Park In“ und den dortigen „Kurhaus Stiegen“. Musikalische Untermalung unter anderem von Wisdom & Slime, die beide der Skateszene aus Innsbruck und Hall entstammen und der lokalen Crossoverband BC76 – ebenfalls mit Skateboardbeteiligung. Filming & 

 

Fahrer: Markus Mandl, Moritz Anzelini, Patrick Zingerle, Norbert Weitenbacher, Daniel Wesenjak, Vincent Tschaikner, Matti Prugger, Manuel Margreiter, Dominik Dietrich, Martin Prugger, Chrisse Vogelbauer; Edit: Ulli Hoschek


2005: How to build a skatepark – NOT!

Der Rapoldipark, den sich der damalige Innsbrucker Skateboard Verein Mitte der Neunziger erkämpft hatte, war über die Jahre vom Parkplatz mit Obstacles Marke Eigenbau zum Skatepark mit den für die späten Neunziger typischen und damals auch zeitgemäßen blauen Plastikrampen mutiert. 2005 sollten diese einem modernen Skatepark weichen. Die Legende will es haben, dass über Kontakte in der Skateszene auch tatsächlich Kostenvoranschläge und Skizzen von IOU Ramps, dem damaligen Goldstandard in Sachen Rampenbau eingeholt worden waren. Der Auftrag soll dann aber angeblich an eine Liftbaufirma aus Tirol gegangen sein, die zwar die Formen der IOU-Skizzen nachgeahmt hat, jedoch in völlig falscher Dimensionierung. Wer den Skatepark je in Natura erlebt hat, glaubt diese Geschichte gut und gerne. Die damals zuständigen Beamten konnten sich dabei höchstens einer Sache rühmen: Ein Paradebeispiel für Geldverschwendung geliefert zu haben.



Mitglied der